Comunità di S.Egidio

Ein Brieffreund
Einem zum Tode Verurteilten schreiben

Ein Brieffreund

Viele gute Gr�nde...

Brief von
Stefania Tallei

 
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NEIN zur 
Todesstrafe

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Die Gefangenen
befreien

Wie kann man helfen

 

 Brief von Stefania Tallei an alle Brieffreunde

"Liebste Freunde, 

ich m�chte Euch sagen, wie wichtig es war, dieses Netz der Freundschaft mit den zum Tode Verurteilten auszudehnen. Es sind gerade zwei Monate vergangen, als zum ersten Mal die Seite �Ein Brieffreund" auf der Homepage der Gemeinschaft Sant'Egidio erschien. In dieser kurzen Zeit haben schon viele geschrieben, viel mehr als ich erwartet h�tte. Ihr habt aus vielen L�ndern geschrieben: aus Italien, Spanien, Deutschland, Frankreich, der Schweiz, Irland, den Vereinigten Staaten, Mexiko, Bolivien und noch vielen anderen L�ndern. 

Eure Solidarit�t spendet uns viel Trost und bringt ein Licht in die Dunkelheit des Todestraktes. Viele Anzeichen lassen uns verstehen, dass sich die Mentalit�t in unserer Welt �ndert, und dass die Zahl derer, die sich unserem Projekt anschlie�en, immer gr��er wird. Ihr k�nnt das klar erkennen, wenn Ihr aus der N�he die News auf der Homepage der Gemeinschaft Sant'Egidio verfolgt. Ich glaube, dass wir dabei sind, mit der Verwirklichung eines sehr gro�en Traumes zu beginnen: die Todesstrafe abzuschaffen. 

Wir rei�en gerade die Mauer der Einsamkeit und des Schweigens ein, die die Todestrakte umgibt. Wir haben verstanden, dass die zum Tode Verurteilten keine �Monster", sondern Menschen sind. In ihnen, auch in denen, die Schlimmes getan haben, entdecken wir Menschen, die sehr alleine sind und sich nach Freundschaft und Befreiung sehnen. 

Vor kurzem traf ich einige Todeskandidaten, die freigekommen waren. Alle erz�hlten mir von den Briefen, dass sie die wichtigste Begleitung in der Isolation waren. Zusammen mit einigen Freunden von Sant'Egidio aus Barcelona und anderen Brieffreunden konnten wir unseren Freund Jos� Joaquin Martinez in die Arme schlie�en, der f�nfeinhalb Jahre im Todestrakt von Florida verbracht hatte, und der endlich am 6. Juni 2001 als erwiesenerma�en Unschuldiger freigelassen wurde. Ich verfolgte in diesen Jahren seine schwierige Geschichte, und unterst�tzte seine Eltern in ihrem Kampf um sein Leben. Joaquin, gerade freigekommen, besuchte uns, und wir konnten ein Fest anl��lich seiner Befreiung und Rettung feiern. Er erz�hlte uns von seinen Mitgefangenen, von denen so viele weder Besuche noch Briefe bekommen, und die von allen vergessen sind. Indem er uns dankte, sagte er: "Ich bekam viele Briefe, und normalerweise lie� ich jemanden, der keinen einzigen Brief erh�lt, an ihnen Anteil haben; ich wollte alles mit ihnen teilen, auch die einfachen Dinge wie eine Ansichtskarte. Eine Karte im Todestrakt zu erhalten ist wie ein Geschenk zu bekommen!" Joaquin, der 29 Jahre alt ist und jetzt an eine andere Zukunft als die im Todestrakt denkt, sagte zu uns: �Mein Leben muss jetzt daraus bestehen, meinen Freunden dort zu helfen." Diese Worte von Joaquin scheinen mir eine weitere Best�tigung und eine ma�gebliche Einladung an jeden von uns, in der Freundschaft mit den zum Tode Verurteilten weiterzugehen .

Eine herzliche Umarmung f�r alle, bis bald

Stefania Tallei
[email protected]